Am Dienstag der Straßburg-Woche besuchte eine Gruppe grüner MEPs das Abschiebezentrum in Straßburg. Unser Besuch war Teil der "open access" Kampagne, die vor allem in Frankreich versucht, einen besseren Zugang für NGOs und Presse zu Abschiebegefängnissen zu erreichen.
Das Zentrum liegt außerhalb von Straßburg in einem Gewerbegebiet und von Bäumen umgeben. Es wird von riesigen Zäunen umspannt und besteht aus mehreren kleinen Gebäuden: Dem administrativen Gebäude, dass vom Lager selbst als auch von Außen durch eine Sicherheitsschleuse betreten werden muss, Wohngebäuden und Kantine; im Zentrum leben 35 Personen.
Mit dieser Aufnahmekapazität ist es ein sehr kleines Zentrum. Die Leute leben in sehr schlichten Zimmern zu zweit; die Frauen teilen sich ein 4-Bett-Zimmer und ihr Bereich wird nachts von dem der Männer abgetrennt. Kinder befinden sich nicht hier. Es gibt ein kleines Arztbüro, in dem 1 Krankenschwester arbeitet (insgesamt angestellt sind 2) und ein Arzt zweimal pro Woche vorbeikommt; professionelle psychologische oder psychatrische Unterstützung gibt es keine. Die Mittel für die ärztliche Versorgung wurden gerade um die Hälfte gekürzt und damit auch das Personal halbiert. Nur rund 39% der InsassInnen werden auch tatsächlich abgeschoben. Die Mehrheit kommt aus diversen Gründen frei. Doch hier leben nicht nur abgelehnte AsylbewerberInnen - auch Nicht-FranzosenInnen, die "die öffentliche Ordnung beeinträchtigen" bspw. durch Diebstahl oder Drogenkonsum, werden hier reingesteckt bevor sie nach Rumänien, Deutschland oder Ungarn ausgewiesen werden.
Vor Ort arbeitet auch der Malteser Hilfsdienst und unterstützt zum Beispiel bei einem Asylantrag. An der Wand hängen die Listen der Abflugszeiten.
Der Ort ist Ausdruck der momentanen europäischen Migrationspolitik, die auf Abschottung und Einsperren setzt. Auch wenn die Anlage neu und gut unterhalten aussieht, sitzen hier doch abgelehnte AsylbewerberInnen und Kleinkriminelle unter einem (kleinen Dach). Leute, die jede Hoffnung auf ein verbleiben in Europa verloren haben müssen, bekommen keine professionelle psychologische Unterstützung. Und wer erst einmal hier drin sitzt, kann auch keinen Antrag auf Unterstützung zur freiwilligen Ausreise mehr stellen.