6. Mexico-Bericht: Der “Umschlagsplatz” der MigrantInnen

07. Oktober 2012

Viele Menschen aus Zentralamerika migrieren aufgrund der katastrophalen Situation in ihren Heimatländern in die USA. Eine der Möglichkeiten ist es, auf Güterzüge aufzuspringen und so Mexiko zu durchqueren. Im Norden Mexico Citys treffen mehrere Zugstrecken aufeinander und die MigrantInnen nutzen die Möglichkeit, „umzusteigen“ und sich dort ein paar Tage auszuruhen. Bei dem Sprung auf oder von den Zügen verletzten sich Viele. Schlafen können sie auf den Zügen nicht, weil die Gefahr des Runterfallens zu groß ist. Einige zivilgesellschaftliche Organisationen haben vor drei Monaten eine Art Herberge aufgebaut, nachdem die kirchliche Einrichtung wegen Protesten von AnwohnerInnen geschlossen werden musste. In der Herberge, die eigentlich nur aus Planen und Notunterkünften besteht, können sich die MigrantInnen wenigstens ein bisschen ausruhen. Das mex. Gesetz verbietet es, dass die Behörden in die Herbergen eindringen und die „Illegalen“ abschieben.

 

 

Wir reden mit einigen der meistens noch sehr jungen Leute. Frauen gibt es kaum (ca. 10%) – für sie ist die Reise besonders gefährlich. Ein Mann erzählt und, dass er vor 15 Tagen aus Honduras abgereist ist. Für ihn ist es bereits der dritte Versuch in die USA zu gelangen. Wir treffen zwei schwangere Frauen. Eine wird ihr Baby in der Herberge bekommen, da nun die Weiterfahrt zu gefährlich ist. Ein anderer junger Mann berichtet von seinem fünfmonatigem Horrortrip, auf dem er von der mexikanischen Polizei (!) aufgegriffen, ausgeraubt, verprügelt und misshandelt wurde. Die Arbeit in der Herberge hängt von Freiwilligen ab und die Organisationen sind auf Spenden angewiesen, um Essen und Medizin zu kaufen. In ganz Mexiko gibt es über 50 solcher Herbergen.