In dem kleinen Örtchen San José del Progreso hat sich vor einigen Jahren eine kanadische Firma angesiedelt, die Gold und Silber fördert. Seit das Unternehmen im Dorf auftauchte, reißen die Konflikte vor Ort nicht mehr ab. Die Situation ist sehr komplex. Kurz zusammengefasst dreht sich der Streit darum, dass die Firma mit der Erforschung der Mine angefangen hat, ohne vorher die BewohnerInnen zu konsultieren. Vor Ort gab es Fälle von Korruption der Lokalregierung. Während die Firma inzwischen täglich Edelmetall im Wert von 5 Millionen Pesos fördert, ist das Dorf gespalten: Ein kleinerer Teil um den Dorfpräsidenten verteidigt den Bergbau, weil er von Bestechungsgeldern profitiert oder dort einen Arbeitsplatz gefunden hat, die Mehrheit jedoch stellt sich gegen das Unternehmen. Dies führte zu häufig gewalttätig ausgetragenen Konflikten, Anfang des Jahres wurden zwei Menschen der Minengegner erschossen und mehrere schwer verletzt. Die Opfer klagen über mangelnde Unterstützung von Seiten der Regierung des Bundesstaats Oaxaca.
Unter anderem darüber sprachen wir mit der Menschenrechts-Ombudsfrau Eréndira Cruzvillegas. Wie auch im Fall von Bety und Jyri verwies sie auf die schwierige Situation, in der sich die Regierung befindet. Schließlich hat der Gouverneur Gabino Cue sein Amt nach 80 Jahren PRI-Herrschaft übernommen. Sprich: in großen Teilen des Landes sind die Strukturen der ehemaligen Staatspartei noch in Takt. Zudem erfordern die latent gewalttätigen Verhältnisse ein vorsichtiges Vorgehen, um nicht unnötig mehr Tote zu provozieren. Diese Meinung vertraten jedenfalls Cue, Cruzvillegas und Vertreter der Justiz, als wir mit ihnen über das weitere Vorgehen im Fall der Morde von Jyri und Bety sprachen. Wir sind gespannt, ob tatsächlich, wie die PolitikerInnen meinten, die Triqui-Region um San Juan Copala auf dem Weg zu friedlicheren Verhältnissen ist.
Mit einem Aktivisten gegen den Bau von Windrädern in der Isthmus-Region sprachen wir über dieses für uns zunächst etwas ungewöhnliche Kritik. Allerdings stellte er schnell klar, dass sich seine Organisation nicht grundsätzlich gegen die Nutzung von Windenergie in Oaxaca stellt. Das zentrale Problem liegt darin, dass wie so oft in Mexiko die lokale Bevölkerung nicht in den Entscheidungsprozess eingebunden, also wieder einmal übergangen wurde. Zudem existiert in Mexiko nicht die Möglichkeit, privat produzierten Strom in die Netze einzuspeisen – und damit die Chance, dass die Menschen vor Ort tatsächlich die Windenergie in ihrem Sinne nutzen können.




